Yoshiyuki Miura |
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Yoshiyuki Miura lebt in München
Ausgewählte
Gruppenausstellungen
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Der in München lebende Japaner Yoshiyuki Miura sagt über seine Arbeit: „Ich mache nichts, ich lege nur die Form“. Und tatsächlich sind viele seiner Installationen immateriell und temporär, sind eher Andeutungen als Körper. Sind ein wenig so, als wolle sich der Künstler nicht festlegen, lassen sie sich doch jederzeit demontieren und neu ordnen. Die Arbeiten sind für konkrete Räume geschaffen, passen sich in sie wie natürlich ein und entfalten dort durch ihre radikale Reduktion auf das Wesentliche eine verblüffende Wirkung. Miura verwendet für seine raumgreifenden, filigranen und luftigen Installationen Industrierohstoffe (Metalle), Naturprodukte (Granitsplitter) aber auch industrielle ready-mades, z.B. Löffel. 1996 erregte Yoshiyuki Miura mit seiner Diplomarbeit an der Akademie der Bildenden Künste in München großes Aufsehen. Mitten in der Nacht war der Künstler auf das Dach des Lehrgebäudes gestiegen, mit dem Ziel, sie um ein weiteres, luftiges Stockwerk zu erweitern. Schwarze, gasgefüllte, auf dem Dach befestigte Ballons zeichneten an meterlangen Leinen den Grundriss der anderen Stockwerke exakt nach. Mit dem Tageslicht war das neue spielerische, aber architektonisch korrekte Stockwerk eine Sensation in der Stadt. Eine Arbeitsweise, die Yoshiyuki Miura auch heute noch anwendet, stammt schon aus der Zeit vor seinem Diplom. Unzählige, an Nylonfäden befestigte Granitbröckchen bilden vibrierende und seltsam immaterielle Körper, die wie Ideen von Skulpturen wirken. Die Installation „Schwingung des Raumes“ (1992) besteht aus vier hintereinander liegenden Bögen aus den erwähnten Granitsteinchen. Sie imitieren und ergänzen die Rundbögen des Ganges, in dem sie sich befinden. Sie nehmen auf die Architektur des Raumes Bezug und bringen ihn optisch zum Schwingen. Diese Technik, das Verwenden des harten, spröden Materials in luftigen, fragilen Installationen, findet sich in zahlreichen Arbeiten der letzten zehn Jahre wieder. In einer Installation von 1993 stellt Miura unsere Vorstellung einer Pyramide und unsere Idee von Schwerkraft auf den Kopf. Die „Hängende Pyramide“ ist ein Luftschloss aus Granitbrocken, die von der Decke eines Raumes in der Form einer umgekehrten Pyramide hängen. Die Installation wirkt wie eine Luftspiegelung, wie der Schatten einer Pyramide. Die Steine scheinen zu schweben und sich durch den Raum zu bewegen, als wären sie der Geist eines zerstörten Bauwerks. Miuras großes Thema, sein Bemühen, industrielle Materialien mit transzendenten Vorstellungen zu vermählen, hat der Künstler auch in der Arbeit „Flüssiger Raum“ (1993) verfolgt. Der Werkstoff dieser dynamischen Objekte ist Siliconöl, das in grazilen, transparenten Säulen von der Decke des Raumes fließt. In einem Auffangbecken am Boden bildet es kleine, gekräuselte Türmchen, die schließlich wieder nach oben gepumpt werden. Die Installation wird durch unterschiedliche Lichteffekte zusätzlich modelliert, der Raum scheint durch das Auf-und-Ab der Säulchen zu atmen und zu vibrieren. Neben Granit und Silikon ist Metall ein oft genutztes Material in Miuras Arbeiten. Mit der Installation „Wandel“ (1998) scheint er auf die minimalistischen Werke Donald Judds zu antworten. Filigrane Stahlstangen im Abstand weniger Zentimeter ragen gleichmäßig aus einer rot gestrichenen Wand und bilden mehrere Quader in einer langen Reihe. Was bei Judd festgefügt, stabil, verschlossen ist, schwebt bei Miura, scheint den Raum nur ganz vorsichtig zu durchdringen, ist Form und die Idee einer Form zugleich. Eine Installation – „5000 Löffel“ – stammt aus dem Jahr 2000. Auf dem Boden des Ausstellungsraumes liegen sorgfältig aneinander und hintereinander gereiht unzählige Löffel, die zusammen den Panzer eines riesigen Reptils bilden, in dem sich vielfach das Licht des Raumes bricht und die Umgebung spiegelt. Auch diese Installation ist fragil, ein Fußtritt würde genügen, um sie zu zerstören. In ihrer Fragilität sind sie den Arbeiten Mariella Moslers verwandt, die in Sisyphosarbeit auf den Böden ihrer Ausstellungsräume großflächige Sandskulpturen mit filigranen Mustern schafft, die ein einziger Windstoß völlig zerstören könnte. Die Installation hat ihren Hintergrund in der Verwunderung des Künstlers über die europäischen Essgewohnheiten: „Als Japaner war ich bei meinem ersten Essen in Deutschland sehr erstaunt, mit ‚Waffen’ wie Messer und Gabel zu speisen. Essenswerkzeuge sind bei uns aus Holz oder Porzellan, das Essen selbst ist eine sehr friedliche Angelegenheit. Der europäische Löffel hat in diesem Umfeld eine Mittelstellung: zwar ist er aus Metall, als Waffe aber wenig wirkungsvoll.“ Mit dieser und anderen Arbeiten untersucht Yoshiyuki Miura die Interaktion von Skulptur, Architektur und Transzendenz. Das Bestechende an ihnen ist die vollendete Synthese intellektueller Forschung und der Einbeziehung der räumlichen Atmosphäre in sein Schaffen. Petra
Stegmann |
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Internet: www.net4.com/germangalleries/Nusser_Baumgart_Contemporary/Miura.06.html |
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